Reflexion beim abblendbaren Rückspiegel
Oben rechts:
Das obere Foto zeigt den auch Schülern bekannten Effekt der Blendung durch
ein nachfolgendes Auto bei einer Nachtfahrt. Das untere Bild zeigt das
gleiche Auto nach Abblenden (Klappen) des Rückspiegels.
Oben links:
Das Bild zeigt einen von hinten (im Bild: von rechts) einfallenden Lichtstrahl,
der auf den Innenspiegel eines Kraftfahrzeuges trifft. Dieser Spiegel
ist in der Version "abgeklappt zum Schutz vor Blendung" dargestellt.
Am Spiegel wird der einfallende Strahl sowohl an der verspiegelten Schicht
im Innern des Spiegels als auch an der Glasoberfläche reflektiert. Derjenige
der ausfallenden Strahlen, der an der eigentlichen verspiegelten Schicht
reflektiert wird, hat die Helligkeit des einfallenden Lichtstrahls;
er würde in der normalen Spiegelstellung "nicht abgeklappt" das Auge
des Fahrers treffen. Dies wäre die Standardsituation während einer Fahrt
bei Tage. In der abgeklappten Stellung des Spiegels wird dieser hellere
der beiden reflektierten Strahlen jedoch am Auge des Fahrers vorbeigeleitet.
Statt dessen trifft nun der ausfallende Strahl, der an der gläsernen
Oberfläche des Spiegels reflektiert wird, das Auge des Fahrers. Dieser
Strahl hat nur einen Bruchteil der Intensität, so dass der Fahrer nicht
geblendet wird. Erreicht wird dies durch eine kleine von der Parallelität
abweichende Winkelstellung zwischen der verspiegelten Unterseite des
Glaskörpers und seiner Oberseite.
Dieses allgemein bekannte Konstruktionsprinzip zeigt eine einfache,
aber sehr schöne Anwendung des Reflexionsgesetzes. Zur Verdeutlichung
sind im Bild zusätzlich die Lote dargestellt, um eine größere Nähe zu
den aus dem Physikbuch bekannten Darstellungen zu gewährleisten. Es
dürfte bei den meisten Schülern problemlos die Haus-aufgabenstellung
möglich sein, dieses Grundprinzip im heimischen Fahrzeug zu überprüfen.
Achtung: Bei einigen Fahrzeugen wird der Spiegel nach oben geklappt,
so dass der hellere der reflektierten Strahlen nach dem Klappen nicht
nach unten, sondern nach oben über den Kopf des Fahrers hinweg gelenkt
wird. Bei manchen neueren Fahrzeugen muss der Fahrer den Rückspiegel
nicht mehr klappen/abblenden. Bei diesen Spiegeln wird durch elektrochemische
Effekte die Reflexionswirkung des Spiegels automatisch verringert, wenn
von hinten blendendes Licht einfällt.
Reflexion bei Rückstrahlern und Seitenstrahlern
Mitte links:
Die hier angesprochenen Strahler (Volksmund: Katzenaugen) haben die
Eigenschaft, in einem beliebigen Winkel auftreffende Lichtstrahlen genau
in die Richtung zurück zu reflektieren, aus der sie gekommen sind.
Erreicht wird dies durch eine in der Realität dreidimensionale, auf
der Folie zur klareren Darstellung zweidimensional wiedergegebene Anordnung
von spiegelnden Oberflächenstücken, die zueinander jeweils im rechten
Winkel stehen. In einem weiten Bereich (±45º gemessen zur Senkrechten)
durchlaufen von der Seite auf eine solche Oberfläche auftreffende Lichtstrahlen
an der Oberfläche eine zweimalige Reflexion. Sie werden insgesamt um
180 Grad abgelenkt und verlassen den Strahler in derselben Richtung,
aus der sie eingefallen sind. Das mittlere Foto zeigt, dass solche Strahler
in Wirklichkeit eine dreidimensionale Reflektorfläche haben.
In diesem Lehrerbegleittext wird mehrmals dazu angeregt, Kontakte zu
Kfz-Werkstätten zu knüpfen. Unter anderem können dort
interessante gebrauchte Teile aus Schrottfahrzeugen zur Anschauung im
Unterricht beschafft werden. In diesem Fall bietet sich die Beschaffung
eines gebrauchten Rückstrahlers oder einer sonstigen Strahlerfläche
mit den gleichen Eigenschaften (Seitenpfosten der Landstraßen
(Straßenmeisterei!), Fahrradrückstrahler) an.
Mitte rechts:
Das Foto zeigt ein beeindruckendes Beispiel der Rück- und Seitenstrahler
eines Wohnmobils. Beachtenswert ist, dass sowohl die seitlichen als
auch die rückwärtigen Strahler in Richtung des Beobachters (Fahrzeug
mit Scheinwerfern) reflektiert werden. Das zeigt, dass der Winkel, unter
dem sie auf die Strahler auftreffen, ohne Bedeutung ist! Die Strahlen
kehren in die Richtung zurück, aus der sie gekommen sind. Eventuell
bedarf es für eine Schülergruppe - je nach deren Äußerungen zum Bildinhalt
- einer kurzen Klarstellung, dass der Rückstrahler kein eingeschaltes
Rück- oder Bremslicht ist.
Beispiel einer modernen Scheinwerferkonstruktion
Die hier dargestellte Scheinwerferkonstruktion zeigt gleich zwei Prinzipien
moderner Lichttechnik am Fahrzeug.
Unten links:
Statt der früher üblichen Paraboloidform der Reflektorfläche
bei Scheinwerfern (als Ganzes oder in mehreren Teilen) finden sich im
modernen Scheinwerfer mit Computerunterstützung gestaltete "Freiformflächen"
aus verspiegeltem Kunststoffmaterial als Reflektoren. Die Form dieser
Flächen ist völlig frei zu gestalten. Dank Computerunterstützung
ist so bei Designvorgaben des Scheinwerfers eine optimale Formgebung
für eine optimale Lichtverteilung möglich.
Zum zweiten zeigt dieser Scheinwerfer eine Fortentwicklung des sogenannten
"Ellipsoid-Reflektors". Diese Form war auch schon zur Zeit metallener
Reflektorflächen herstellbar, allerdings mit streng ellipsoidförmigen
Metallkörpern.
Ein solcher Ellipsoid hat zwei Brennpunkte. In einem dieser Brennpunkte
befindet sich der Glühfaden (oder bei Weiterentwicklungen die helle
Mitte der Xenon-Gasentladungslampen). Das von dort ausgehende Licht
wird im zweiten Brennpunkt wieder vereinigt. Eine Sammellinse bildet
diesen sehr hellen "Punkt" nach vorne auf der Fahrbahn ab. Dabei werden
die zur Blendvermeidung geforderten Hell-Dunkel-Grenzen durch eine Blende
im Scheinwerfer erreicht. Dieser Ein-satz einer Sammellinse ähnelt stark
dem Prinzip beim Diaprojektor.
Bei dem hier gezeigten Modell eines sogenannten "PES-Scheinwerfers"
ist nun sowohl dieses Projektionsprinzip verwirklicht als auch die bewusst
nicht regelmäßige ellipsoidartige Formgebung des zugehörigen Reflektors
(PES = Poly-Ellipsoid-Scheinwerfer), die mit Computerunterstützung berechnet
worden ist. Eine solche Konstruktion ermöglicht bei nur 28 cm² vorderer
Austrittsfläche Lichtausbeuten wie bisher nur mit großflächigen Scheinwerfern.
Dies ist für die Designmöglichkeiten der Autos wichtig.
Unten rechts:
Das Foto zeigt als Realbild einen solchen Scheinwerfer. In der Mitte
ist die Sammel-linse deutlich zu erkennen. Der Scheinwerfer links davon
ist ebenfalls eine Konstruktion mit Freiformflächen. Er hat keine
Linse, sondern lenkt das Licht ausschließlich durch die computerberechneten
Reflexionsflächen. Ein solcher Scheinwerfer braucht auch keine
herkömmliche Streuscheibe, sondern kann mit einem klaren Frontglas
versehen werden.
Vielen Schülern sind gewiss schon vergleichbare Scheinwerfertypen
im Straßenbild aufgefallen. Deshalb werden sie den Vorteil der
Freiformscheinwerfer schnell verstehen.
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